Wir prüfen einen Fahrplan auf dem Natel. Eine Meldung weist uns auf eine Störung hin. Wir folgen der Route, die uns eine App vorschlägt. Wir schauen nach, ob eine Ladestation verfügbar ist. All das ist für uns Alltag geworden. Hinter jedem dieser alltäglichen Schritte steht jedoch etwas sehr Konkretes. Daten.
Lange Zeit bedeutete Mobilität vor allem sichtbare Infrastruktur. Strassen, Schienen, Busse, Haltestellen, Parkplätze, Velowege. Inzwischen ist eine weitere Ebene dazugekommen. Sie ist diskreter, oft kaum sichtbar, beeinflusst aber bereits heute, wie Mobilität organisiert, verstanden und erlebt wird.
Diese digitale Ebene informiert Reisende und hilft, Mobilitätsflüsse besser zu verstehen. Sie hilft, gewisse Situationen früher zu erkennen und öffentliche Entscheidungen vorzubereiten. Die Daten dafür kommen von Betreibern, öffentlichen Stellen und Messsystemen. Und auch von den Plattformen, die wir täglich öffnen, um unseren Weg zu finden.
Diese Entwicklung führt zu einer einfachen, aber zentralen Frage: Wie stellen wir sicher, dass digitale Mobilität verständlich, zuverlässig und tatsächlich im Dienst des öffentlichen Interesses bleibt?
Genau an dieser Frage setzte eine Initiative des MobilityLab an, begleitet von Prof. Dr. Matthias Finger. Es ging nicht darum, eine fertige Lösung zu präsentieren oder eine neue Plattform anzukündigen. Die Idee war vielmehr, sich Zeit zu nehmen, das Thema sauber einzuordnen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und die richtigen Fragen zu identifizieren, bevor man zu schnell über Antworten spricht.
Denn digitale Mobilität ist nicht nur eine technische Frage. Sie betrifft auch die Qualität von Daten und die Standards, die ihren Austausch und ihre Nutzung ermöglichen. Sie betrifft die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren und die Fähigkeit der öffentlichen Hand, Entscheidungen in einem Umfeld vorzubereiten, das sich sehr schnell verändert.
Im Kern geht es nicht darum, einfach mehr Daten zu haben. Entscheidend ist, welche Daten wirklich relevant sind, wie sie zirkulieren und unter welchen Bedingungen sie möglichst vielen Menschen nützen können.
Digitale Mobilität ist längst Teil unseres Alltags. Sie besser zu verstehen heisst auch, die Mobilität von morgen besser vorzubereiten.

Drei Fragen an Prof. Dr. Matthias Finger
Warum werden Mobilitätsdaten zu einem Thema des Service public?
Weil sie nicht mehr im Hintergrund bleiben. Lange Zeit war eine Mobilitätsdatei vor allem eine Statistik, eine Zahl für einen Bericht. Heute beeinflussen Daten, was Reisende auf ihrem Bildschirm sehen. Sie wirken auf die Planung ein. Sie spielen bei Entscheidungen eine Rolle. Sobald Daten mitbestimmen, welche Dienstleistung bei den Menschen ankommt, sind sie nicht mehr nur ein technisches Thema. Dann werden sie zu einer öffentlichen Frage.
Was ist die grösste Falle, wenn man über digitale Mobilität spricht?
Mit dem Werkzeug zu beginnen. Das ist sehr verlockend. Man lanciert eine gute App, baut ein Dashboard auf und hat das Gefühl, etwas getan zu haben. Aber ein Werkzeug ist nur so gut wie das, was dahintersteht. Die tatsächlichen Bedürfnisse, die Daten, die wirklich verfügbar sind, die verantwortlichen Personen, die Zugangsregeln. Solange diese Fragen nicht geklärt sind, baut man auf unsicherem Boden. Die eigentliche Schwierigkeit ist nicht die Technologie. Sie liegt in der Governance.
Warum könnte das Wallis bei diesem Thema eine beispielhafte Rolle spielen?
Weil das Wallis gute Voraussetzungen mitbringt. Es gibt hier Kompetenzen und Menschen, die das Thema verstehen. Die Akteure kennen sich und können miteinander sprechen, was an anderen Orten nicht selbstverständlich ist. Es gibt Vertrauen. Und es gibt diesen pragmatischen Reflex, Dinge zu testen, statt jahrelang nur darüber zu diskutieren.
Dazu kommt die passende Grösse. Ein grosser Kanton muss oft mit schwerfälligeren Strukturen umgehen. Im Wallis können gewisse Entscheidungen schneller vorankommen. Gleichzeitig hat der Kanton sehr eigene Bedürfnisse: Berge, Tourismus, Täler, Distanzen. Was in Zürich funktioniert, passt nicht automatisch hierher. Wenn das Wallis eigene Antworten findet, kann es einen Weg aufzeigen, der auch für andere Regionen vergleichbarer Grösse interessant ist.









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